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Im Rahmen der Recherchen zu meinem Buch muss ich mich auch mit der Geschichte von Joachim von Fiore beschäftigen. Ich kam gestern ganz unverhofft auf die Erkenntnis, dass Joachim der erste Shaumbra hier auf der Erde war. Er hatte eine Vision von dem, was jetzt gerade geschieht.

Ich habe heute lange gesucht und fand dann diese Informationen, die ich bereits vor einigen Jahren zu dem Thema gespeichert hatte. So kann ich heute die Quelle nicht mehr nennen, es war aus dem Internet gezogen. Aber lies erst mal:

Die italienische Abt Joachim von Fiore aus dem 12. Jahrhundert beeinflusste mit seiner Vorstellung vom Kommen des „Dritten Zeitalters oder Dritten Reiches“ zum Beispiel mittelalterliche Mönchsbewegungen, aber auch Nationalsozialisten wie Joseph Goebbels.

087 Mond

Joachim: „Etwa um die Stunde, zu der, wie man meint, unser Löwe aus dem Stamm Juda auferstanden war, wurde mir bei der Meditation plötzlich eine Offenbarung zuteil.“ Und zwar saß er da spät in der Osternacht – so beschreibt er uns das auch wörtlich – über der Auslegung der Apokalypse. Und schon beim zehnten Vers kam ein Problem – das lautet nämlich: „Ich war im Geiste am Tage des Herrn.“ Und er wusste nicht, was er damit anfangen soll. Er sei gegen diese Bibelstelle geworfen worden wie gegen eine Brandung und dachte darüber nach und nach, bis er plötzlich ein visionäres Erlebnis hatte, ein plötzlicher Einblick in die Struktur der gesamten Weltgeschichte. „Eine Offenbarung über die Fülle dieses Buches und die ganze Konkordanz zwischen Altem und Neuem Testament, die ich in großer Helligkeit der Einsicht wahrnahm.“ …

„Wenn der allmächtige Gott das Alte beenden will, um das Neue aufzubauen, lässt er es zu, dass der Kirche irgendeine Verfolgung geschehe, und indem er das, was er beenden will, verlässt, beschützt er das, was bleiben soll.“ …

Jahrzehnte hat Joachim damit zugebracht, seine Augenblicksintuition auszuarbeiten und in die Lehre von den drei „Zuständen“ oder „Zeitaltern“ zu gießen, die ihn berühmt machen wird. Einmal sei Gott aus seinem Schweigen herausgetreten und habe sich offenbart – das war das Zeitalter des Vaters und derer, die an ihn glauben, der Juden. Dann sei Jesus auf Erden erschienen, Gott und Mensch zugleich, um das Zeitalter des Sohnes einzuläuten und derer, die an ihn glauben – der christlichen Kirche. Die revolutionäre Sprengkraft von Joachims Vision aber liegt darin, dass er die Sohn-Zeit der Kirche durch den zuletzt hereinbrechenden Status des Heiligen Geistes noch einmal überbietet.

„Der erste Status war der der Wissenschaft, der zweite in der Macht der Weisheit, der dritte in der Vollkommenheit der Erkenntnis. Der erste in der Furcht, der zweite im Glauben, der dritte in der Liebe.“

Was heißt das? Das heißt zum einen noch mal die Bestätigung für die Strukturgleichheit der Testamente. Das heißt aber noch mehr. Nämlich, dass sich die Geschichte noch ein drittes Mal wiederholen wird auf einer höheren Stufe, dem sogenannten Geist-Zeitalter. Das Beste kommt erst noch, sozusagen. Nicht die Kirche wird durch die Endzeit führen, sondern das Mönchtum. Das fordert die kirchlichen Autoritäten heraus. In einem Vorwort zu den Schriften Joachims schrieb der Religionswissenschaftler Mircea Eliade im Jahre 1985: „Entgegen Augustins Meinung nahm der kalabrische Abt an, dass nach etlichen Erschütterungen die Geschichte zu einem Zeitalter spiritueller Glückseligkeit und Freiheit finden werde. Es folgt, dass die christliche Vollkommenheit vor uns liegt, in der geschichtlichen Zukunft – eine Idee, die keine rechtgläubige Theologie hinnehmen konnte. Wie man erwarten mag, war es insbesondere der konkrete und historische Charakter des Dritten Zeitalters, der zugleich amtskirchlichen Widerspruch, mönchischen Enthusiasmus und populäre Begeisterung hervorrief.“

Dazu Robert E. Lerner, Professor für Mediävistik an der Universität Princeton: „Joachim hat ohne Zweifel im dritten Status eine vollständige Umformung der Kirche erwartet. Petrus als Typus tätiger Weltgeistlichkeit wird dem Typus des Evangelisten Johannes des kontemplativen Mönchtums weichen. Sicherlich wird im dritten Status das Papsttum verschwinden und sehr wahrscheinlich ebenfalls die gesamte Geistlichkeit.“

Darin liegt noch heute seine Sprengkraft. Während Priester noch als Mittler zwischen Gott und die Welt treten, wird das im Liebesverband der Mönche nicht mehr nötig sein. … Nun gab’s bei Joachim eine ganz interessante Prophezeiung, nämlich eines Führers in das dritte Geist-Alter. Joachim meinte damit im Grunde einen Papst, der die Kirche reformiert (das meinte Joachim bestimmt nicht, es handelt sich hier um Tobias bzw. Adamus, die er aber nicht benennen konnte), die Franziskaner haben aber diese Prophezeiung eines Führers auf den Franziskus bezogen.

Was sich bei ihm findet, und das ist das Entscheidende, ist eben ein neues Epochenbewusstsein. Das Bewusstsein, an einem Wendepunkt der Geschichte zu leben, an dem die Menschheit beginnt, sich zu spiritualisieren.

Im „Magazin für Kirche und Kultur“ konnte ich lesen: Joachim von Fiore: Vor rund 800 Jahren, auf den Tag genau, am 30. März 1202, starb Joachim von Fiore, der kalabresische Abt „mit prophetischem Geist ausgestattet“, den Dante Alighieri ins Paradies schrieb.

Und der tatsächlich ins Paradies einging, folgt man dem Kanonisierungsprozess, den die Diözese Cosenza eingeleitet hat, in der das Kloster von San Giovanni in Fiore liegt.

Abgesehen von der Einleitung des Heiligsprechungsverfahrens, ist sein rundes Todesjahr durch eine Reihe von Tagungen geprägt, die hinter der Fassade der Gelehrsamkeit lebenswichtige Fragen für die Gegenwart und die Zukunft der Kirche verbergen.

Sie tauchen zum Beispiel in den vom Kapuziner Raniero Cantalamessa, der offizieller Prediger des päpstlichen Hauses ist, vertretenen Thesen (2002) auf: „Die heilige Geschichte hat drei Phasen. In der ersten, dem Alten Testament, hat sich der Vater offenbart. In der zweiten Phase, dem Neuen Testament, hat sich Christus offenbart. Jetzt sind wir in der dritten Phase, in der der Heilige Geist in seinem ganzen Licht erstrahlt und die Erfahrung der Kirche beseelt.“

Genau das hatte Joachim prophezeit: das Kommen eines dritten und letzten Weltzeitalters, das des Heiligen Geistes. Mit einer neuen, völlig vergeistigten, toleranten, freien, ökumenischen Kirche. Die den Platz der alten, dogmatischen, hierarchischen, zu materiellen Kirche übernimmt.

Pater Cantalamessa steht der charismatischen Bewegung nahe und ist damit für diese Visionen aufgeschlossen. Der Einfluß von Joachim von Fiore auf das katholische Denken ist aber viel umfassender und tiefer…

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Tatsächlich zieht sich das Denken Joachims von Fiore über Thomas Müntzer, Gotthold Ephraim Lessing, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Ernst Bloch und Raniero Cantalamessa bis in unsere Tage herauf.

Inwieweit steht auch Papst Franziskus solchen „spiritualistischen“ Ideen nahe? Pater Cantalamessa predigt seit mehr als 30 Jahren am Karfreitag und tat dies bereits unter Johannes Paul II. und Benedikt XVI. Eine Frage ist daher auch, weshalb er dieser Predigt vor dem neuen Papst eine bestimmte Ausrichtung gab.

Papst Benedikt XVI. befasste sich ausführlich mit Joachim von Fiore, angefangen 1959 in seiner Habilitationsschrift Die Geschichtstheologie des heiligen Bonaventura. Zeitgenossen Bonaventuras vertraten die These, mit dem heiligen Franz von Assisi habe das dritte Zeitalter des Geistes begonnen, von dem Joachim da Fiore geschrieben hatte. Tatsächlich hatte, wie Joseph Ratzinger herausarbeitete, für Joachim von Fiore das Geist-Zeitalter bereits mit dem heiligen Benedikt von Nursia begonnen. Joseph Ratzinger als Theologe, Kardinal und Papst war es dann auch, der das „spiritualistische“ Denken Joachims und dessen Schüler und Nachfolger entschieden bekämpfte und dem franziskanischen Ordensgeneral, dem heiligen Bonaventura vorwarf, nicht entschieden genug dagegen vorgegangen zu sein. Sollte dieses spekulativ-revolutionäre Denken ausgerechnet durch seinen Nachfolger in die Kirche zurückkehren?

Das Geist-Zeitalter, das sich Joachim von Fiore ausgedacht hatte, erscheint ebenso nebulös, wie die Datierungsversuche beliebig: Benedikt von Nursia lebte um das Jahr 500, Franz von Assisi um 1200, die franziskanische Richtung der Spiritualen, die der heilige Bonaventura bekämpfte, nannten das Jahr 1260 als Beginn des neuen Zeitalters, Pater Cantalamessa scheint der neo-joachimistischen Richtung anzugehören. Diese ist der Meinung, Joachims Geschichtsdeutung sei richtig, er habe sich lediglich um 700 Jahre in der Datierung geirrt. Das Geist-Zeitalter habe nämlich in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts begonnen und das Zweite Vatikanische Konzil sei Ausdruck dieses Beginns.

Die Heilige Schrift weiß von einem solchen Zeitalter allerdings nichts zu berichten (logisch, das wurde von den Klerikern entfernt). Joachims Spekulationen gingen von einem dritten und letzten Zeitalter des Heiligen Geistes aus, in dem sich alle Institutionen vom Staat bis zur Kirche in der vollkommenen Gesellschaft individueller, allein vom Geist bewegter Menschen auflösen oder besser gesagt, völlig vergeistigt in einer neuen, immateriellen Form existieren. Der Mensch habe dann durch den Geist direkte Verbindung zu Gott und werde von diesem gelenkt.

Bereits der heilige Bonaventura, wie Joseph Ratzinger aufzeigte, erkannte die Gefährlichkeit dieses Schwärmertums, das durch „Vervollkommnung“ des Menschen, das Paradies auf Erden vorweg nehmen will. Durch die in Joachim von Fiores Idee vertretene, radikale Vergeistigung, wurde er zu einem wichtigen Quell aller weltbezogenen revolutionären Strömungen und Ideologen der Weltverbesserer. Denn der Idee liegt der Drang zugrunde, die Natur einer gefallenen Schöpfung nicht anerkennen, ja überwinden zu wollen. In der Überwindung derselben steckt, so Joseph Ratzinger, derselbe revolutionäre Geist.

Das IV. Laterankonzil verurteilt 1215 einige Trinitäts-Thesen Joachims und erklärte sie für häretisch. Papst Honorius III. rehabilitierte den kalabresischen Ordensgründer kurze Zeit darauf zwar als „katholischen Menschen“, ohne jedoch dessen Geist-Thesen anzuerkennen. 2001 leitete die Erzdiözese Cosenza anläßlich des 800. Todesjahres ein Heiligsprechungsverfahren ein. Ihn deshalb in den Himmel zu schreiben, wie es bereits Dante tat, der von der Idee Joachims ebenso angezogen schien, wie viele andere seither, erscheint noch verfrüht. Das Verfahren ist noch anhängig.

Anmerkung von mir: Einige hätten Joachim damals zu gern auf dem Scheiterhaufen gesehen, Bestrebungen in der Art waren im Gange. Sein Tod kam (für ihn glücklicherweise) dazwischen, so dass sie beschlossen, keinen Märtyrer aus ihm zu machen. Sie verwarfen seine Thesen und hofften, dass er vergessen werden würde. Doch heute ist er wieder da und lebt das, was er vor 800 Jahren in seiner Vision gesehen hatte. Er ist Shaumbra.