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Nachdem mein Nachbar verstorben war, sagte ich zu seiner Frau, dass sie sich doch jetzt etwas Gutes tun soll, was sie zu einem erschreckten Ausruf veranlasste. Sie weinte und meinte, dass sie doch jetzt arm dran sei, weil niemand mehr da sei, der ihr etwas Gutes tun könne.

Ich bin da ganz anderer Ansicht. Ich brauche niemanden, der mir Gutes tut, denn das kann ich allein sogar viel besser als jeder Mensch, der das bisher zu tun versuchte. Niemand als ich selber weiß, was gut für mich ist. Warum soll ich also drauf warten, dass irgendjemand daherkommt und genau das macht, wovon nur ich weiß, dass ich es jetzt brauche, und das ich mir auch selber geben kann?

Dieses Opfergefühl, dass niemand da ist, der für einen sorgt, das können wir getrost loslassen…

Talk Dirty (Jason Derulo) – Sam Tsui Cover

Wir sind niemals Opfer von irgendetwas. Wenn man das begriffen hat, dann ist auch jegliches Selbstbedauern dahin. Und eigentlich ist es wunderschön, in sich rein zu lauschen und sich zu fragen, welche Streicheleinheiten die Seele jetzt wohl haben möchte – und sie sich dann auch zu geben. Und je weniger Menschen um mich herum sind, die etwas von mir wollen, desto mehr Zeit und Muße habe ich, mir dieses Verwöhnen selber zu geben.

Aber solange ich meine Wünsche nach Trost, Zuwendung, Liebe, Geborgenheit usw. nach außen trage, die Erfüllung von anderen abhängig mache, desto mehr dieser Sehnsüchte bleiben unerfüllt, was zu Frustration führt. Und diese Frustration erzeugt neue, denn aus Frust heraus kann ich nur Frust erschaffen.

Jeder hat diese Wünsche, und solange jeder erwartet, dass der andere sie erfüllt, solange bleiben zu viele Bedürfnisse unerfüllt. Ich selber aber weiß immer, was ich jetzt in diesem Moment brauche, und wenn ich dafür sorge, dass ich es auch bekomme, gibt es keinen Frust. Wenn ich zufrieden bin, kann ich sogar noch die Wünsche von anderen wenigstens zum Teil erfüllen. Aber Voraussetzung ist eben, dass ich selber für mich sorge.

ICH ZUERST, dann die anderen. Diese Reihenfolge stimmt, macht zufrieden, hat nichts mit Egoismus zu tun (so wie wir es im allgemeinen verstehen) und sorgt dafür, dass die Welt ein wenig besser wird, denn SIE IST SCHON BESSER, WENN ES MIR GUT GEHT, oder?