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Ein Beitrag von Gabriele Rudolph

Jeder, der sich auf die Suche nach Dem macht, was er/sie wirklich ist, geht im Grunde gegen das Grundbedürfnis des kleinen Ichs nach Anerkennung, Zustimmung, Zugehörigkeit, Geborgenheit und Sicherheit an – einfach weil die meisten Menschen ver-rückt, d. h. ihrer wahren Natur ent-rückt sind.

Du wirst also auf deiner Suche wenig echte Zustimmung, Freunde oder Verständnis finden, auch in spirituellen Kreisen nicht. Denn selbst in spirituellen Kreisen geht es gewöhnlich NICHT um die Wahrheit, sondern um eine sehr verfeinerte Form des Ichs, z. B. ein Lehrer-, Schüler-, Helfer-, heiliges, großzügiges oder gutes Ich bzw. um mehr Wohlbefinden, Glückseligkeit oder Ekstase. Du wirst also wenig Unterstützung finden, da die Suche nach Dem, was du wirklich bist, dich wegführt von dem, was die meisten Menschen denken, fühlen und leben. Sie wollen sich nicht ihren Traumata stellen, ihre Identität oder ihr Weltbild hinterfragen und schon gar nicht die Wahrheit finden. Vielmehr suchen sie Ablenkung davon, Zerstreuung, Macht, Geld, Sex, Zuwendung sowie die Bestätigung ihres Welt- und Selbstbildes oder Glaubens. Sie wollen nicht entdecken, was sie wirklich sind, nicht den Trost, das Gefühl der scheinbaren Sicherheit verlieren, das ihnen die Zugehörigkeit, die Zustimmung ihrer Familie, Kollegen, Religionsgemeinschaft oder Gurus gibt.


9-1 Adamus – On Enlightenment And The End Of Struggle

Du schwimmst also gegen den Strom, und es braucht viel Mut, echtes Interesse, Engagement und tiefes Vertrauen in dein Gespür für die Wahrheit, um nicht aufzugeben, v. a. wenn du bei dieser Suche auf deine tiefsten und schmerzhaftesten Themen, Sehnsüchte und Ängste stößt. Denn es geht bei dieser Suche nicht um Glückseligkeit noch darum, jemand Besonderes, Gutes oder Besseres zu werden. Es geht auch nicht um Spiritualität, Glauben oder Religion. In Wirklichkeit gibst du genau das auf: Deine Vorstellungen wie du und andere sein oder nicht sein sollten, das Konzept, jemand zu sein, der die Wahl hat, der etwas erreichen, vermeiden oder kontrollieren kann, überhaupt alles, was du über dich selbst, das Leben, die scheinbar anderen glaubst.

Es geht auch nicht darum, irgendwo anzukommen. Denn Erwachen bedeutet in Wirklichkeit Sterben – immer und immer wieder.

Ein Ankommen gibt es also immer nur in der Stille, in dem Ruhen dessen, was du wirklich bist, und was gerade durch dich gelebt werden möchte. Und wenn du auf einen Menschen triffst, der diesen Weg schon sehr weit gegangen ist, der wirklich wach und bereit ist, immer wieder und immer tiefer still zu sein, alles zu fühlen, immer wieder neu hinzusehen, zu sich zu stehen, zu sterben, zu lernen und verlernen und der auch im Chaos der Gefühle nicht wankt, dann wirst du sehen, das ist kein Zuckerschlecken, mit diesem Menschen im Satsang, Einzelgespräch oder Seminar zu sein. Er wird ganz und gar Das sein, was er/sie wirklich gerade ist – schonungslos.

Wer der Wahrheit verpflichtet ist, ist ehrlich, nicht höflich.

Du wirst vielleicht deine Kindheitsthemen auf ihn oder sie projizieren, und er wird sich weigern, dich in deinem Welt- oder Selbstbild, deinem Glauben zu bestätigen. Das ist nicht ohne, da es all deine Vorstellungen in Frage stellt. Zugleich, wenn du wirklich interessiert bist, die Wahrheit zu entdecken, wird es dir eine Freude sein – immer und immer wieder – desillusioniert zu werden. Ja, du wirst viel zu ent-decken, zu lachen, weinen und wüten haben.

Aus: “Wie geht Liebe wirklich?” von Gabriele Rudolph, mehr dazu unter http://www.einfachnursein.de