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Eine alte Geschichte, die in unserer Familie gerne und oft erzählt wurde, ist diese hier:

Ich war ca. drei Jahre alt. Wir fuhren sonntags immer aus – mit dem Fahrrad natürlich. In den fünfziger Jahren hatte kaum jemand ein Auto, das Wirtschaftswunder war gerade mal eben am Anlaufen.

Wir fuhren also querfeldein, oft zu einem dreißig Kilometer entfernten See (Teich ist wohl der bessere Ausdruck). Dort traf man sich zum Schwimmen. Das Schwimmbad in unserer Stadt war auch noch nicht gebaut…

Ich saß hinten auf dem Rad. Kindersitz? Fehlanzeige. Es wurde ein Kissen auf den Gepäckträger geschnallt, und darauf saß ich dann mit abgespreizten Beinen. Das einzige Kinderkörbchen vorne an der Lenkstange wurde von meiner kleinen Schwester besetzt, mein Bruder saß ebenfalls auf dem Gepäckträger – bei unserer Mutter.

Einmal trafen wir auf einen Bekannten meines Vaters. Wir hielten an, und sie redeten eine Weile miteinander, dann zog der Mann eine Apfelsine aus seiner Tasche und gab sie mir. „Wenn er die unbedingt loswerden will … mir egal“, dachte ich.

Und dann ging es los: „Wie sagt ein braves Kind? Sag mal danke zu dem Onkel…“

Ich überlegte einen Augenblick: „Er will mir das Ding schenken, oder? Ich hab das jedenfalls so verstanden. Warum will er dann noch eine Gegenleistung? Wenn ich etwas dafür tun muss (danke sagen), dann kann er die Apfelsine behalten oder sie einem anderen verkaufen!“

Ich reichte ihm die dicke Frucht am ausgestreckten Arm entgegen: „Da!“, sagte ich nur.

Das brüllende Gelächter habe ich damals nicht nachvollziehen können… aber das Prinzip hinter meiner Handlung blieb bestehen: Da hast du es zurück! Du kannst mir nichts schenken wollen und heimlich ein Geschäft draus machen! Ich falle auf so etwas nicht mehr herein.

So ganz allmählich wird mir immer klarer, warum ich meinen Eltern unheimlich war …


The Masters Voice – Allowing the True Expression

siehe auch Bewusstsein