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Ein Beitrag von Stefanie Spachtholz

Wann immer ein Mensch etwas be- und/oder verurteilt, entfernt er sich von seinem Selbst, ist im Verstand. Unser Emotionalsystem ist unser vom Verstand erzeugtes Beurteilungszentrum als Ersatz für echte Gefühle.

Es ist ganz einfach zu spüren: Etwas (ganz gleich, ob etwas anderes, ein anderer oder man selbst) triggert uns unangenehm an, wir erzeugen einen Widerstand und beurteilen den oder das als schlecht. Je intensiver diese Emotion spürbar ist, umso mehr entfernen wir uns von unserem Selbst, und die Stimme unseres Herzens zieht sich diskret mehr und mehr zurück und ist nur noch schwerlich bis gar nicht mehr zu hören. Was geschieht da?

Ganz einfach: Starke Emotionen geben unserer Seele das Signal, dass Erfahrungen anstehen, und somit gewährt sie dem Vortritt und zieht sich zurück.

Beurteilungen sind ein untrüglicher Hinweis, dass wir uns im Verstand befinden. Es verhärtet uns, wir spüren deutlich, wie engherzig wir werden. Das ist ganz anders, wenn wir uns in sehr guter Stimmung befinden … vielleicht sind wir verliebt? Alles wird weiter, wir urteilen großmütiger, unsere eigenen Verhärtungen lösen sich auf, wir sehen alles nicht mehr so eng.


Marcelito Pomoy (macht mich im Moment süchtig)

Gut zu wissen, denn wenn ich spüre, meine Beurteilungen werden rigider, unbarmherziger, habe ich die Wahl: Will ich weiter diesen Erfahrungsweg gehen, lasse ich zu, mich, mein Selbst weniger zu fühlen um der Erfahrung weillen? Oder fühlt sich das doch so unbehaglich an, dass ich mich, mein Selbst wieder in meiner Realität präsent fühlen will?

Entscheide ich mich für mich selbst, mein Selbst, ist es ganz einfach. Ich lehne mich metaphorisch zurück, gönne mir einen guten tiefen Atemzug und lade mein Selbst ganz bewusst wieder ein, atme und atme ganz bewusst liebevoll und schnell ist das Selbst. Die Stimme unseres Herzens ist wieder fühlbar.

Die Beurteilung der Beurteilung führt nicht zum Selbst zurück, im Gegenteil. Dieser Widerstand vergrößert die Distanz. Die Einladung an uns selbst, das bewusste Atmen, lässt uns uns darüber hinaus bewegen und ist nichts anderes als die liebende Akzeptanz und Wertschätzung der jeweiligen Situation, wir richten uns, bildlich gesprochen, auf und haben somit die einschränkende Ebene verlassen. Wir überblicken diese Situation, dadurch erweitert sich der eigene wahrgenommene Fokus, und die Situation verliert an Bedrohlichkeit, die ursprünglich zur Verurteilung geführt hat. Es bedarf lediglich einer bewussten Herzes-Wahl. Das Selbst ist nie weiter als ein paar Atemzüge entfernt. Tatsächlich ist es immer da, und manches Mal hat es bloß den Anschein, es habe sich entfernt, sich wie in einen Nebel gehüllt.