Schlagwörter

, ,

Was ist der Mensch? Diese Frage habe ich mir schon als Kind immer wieder gestellt. Ich konnte alle möglichen Anteile von mir selber wahrnehmen, aber nie den, der ich in diesem Augenblick der Wahrnehmung selber war. Wie soll man sich das wohl vorstellen? Wer bin ich eigentlich, wenn ich Anteile scheinbar außerhalb (aber immer noch auf der inneren Ebene) von mir bemerke, und welcher Teil ist es, der das bemerkt? Wieso kann ich den wahrnehmenden Teil niemals sehen?

Benutzen wir einmal eine theoretische Konstruktion: Angenommen, ich bin nur der eine einzige Teil, der ich in DIESEM gegebenen Augenblick der Wahrnehmung bin, dann ist jeder andere Teil, der ich vor einem Augenblick oder in einer bestimmten Situation oder in irgendeinem Leben gewesen bin, ein Aspekt meiner selbst.

Das Hohe Selbst, das ICH BIN, hat mich als einen Aspekt von sich erschaffen und mit Schöpferfähigkeiten ausgestattet. Ich bin also ein Schöpfer hier auf Erden, so wie die allermeisten Menschen wohl Schöpfer sind, und keineswegs Geschöpfe, wie uns die Kirche weismachen will. Ich Schöpfer erschaffe also weitere Aspekte, die mir dienen (die haben meistens, aber nicht immer, ebenfalls Schöpferfähigkeiten).


Tourette Syndrom (Best Of, HQ)

Ich erschaffe also einen Aspekt, der zum Beispiel nach einiger Übung ein routinierter Autofahrer wird oder eine sehr gute Köchin oder diesen Teil, der mich morgens wie in Trance unter die Dusche stellt, mich abseift und abtrocknet, ohne dass das irgend einer Aufmerksamkeit von mir bedarf. Es sind jeweils Aspekte, die diesen Job hervorragend übernehmen. Auch meine letzte Inkarnation, auch das war ein Aspekt, der wiederum Aspekte für dies und das erschaffen hat. Oder wenn ich Gedanken aussende, sind es Aspekte, oder der Alleinunterhalter, der die ganze Kaffeegesellschaft unterhält, das ist ein Aspekt von mir… Unser Leben lang erschaffen wir große und kleine mehr oder weniger fähige Aspekte, die uns helfen, den Alltag zu bewältigen, während unsere Aufmerksamkeit woanders herumwandert.

Wer bin ich dann aber?

ICH BIN immer nur derjenige im jeweiligen Augenblick, in dem ich im Hier und Jetzt voll bewusst und aufmerksam bin. Und ich bin in jedem neuen Hier und Jetzt das gleiche Wesen, nur wenn dieser Augenblick im Hier und Jetzt weiterrückt, weil mein lineares Gehirn Zeit erlebt, dann ist das ICH BIN von eben schon wieder zu einem Aspekt geworden, und ICH BIN in einem neuen Augenblick, einem neuen Hier und Jetzt.

Wie auch immer, ich stelle fest, wir sind ein ganzes Kollektiv von Aspekten. Es lohnt sich schon, einmal dahinter zu sehen, denn diese „Aspektologie“ wird interessanter, wenn es um bisher unerklärliche Phänomene geht, wie z. B. das Tourette-Syndrom. Doch dazu kommen wir gleich.

Die allermeisten Aspekte von uns, die wir vielleicht aussenden, um z. B. die Zukunft erforschen (wie wird mein Chef reagieren, wenn er mitkriegt, dass ich schon wieder zu spät komme?), die kehren auch problemlos wieder zu uns zurück und integrieren sich in das Ganze, das ICH hier auf Erden BIN. Doch es gibt auch andere Aspekte, die wir vielleicht abgespalten haben, weil uns eine Situation unerträglich war oder wir irgendwelche traumatischen oder sonst irgendwie schwer belastenden Erlebnisse hatten, an die wir nicht erinnert werden wollten. Es gibt Aspekte, die schämen sich einfach, weil sie die gestellte Aufgabe nicht gut erfüllt haben, andere sind vor uns geflüchtet, weil wir sie maßlos überfordert haben und dergleichen mehr. Es bleibt der Phantasie eines jeden überlassen, sich weitere Möglichkeiten auszumalen. Diese Aspekte, so verletzt oder traumatisiert sie sind, schwirren irgendwo zwischen den Dimensionen herum und sehnen sich danach, zu uns zurückzukommen, trauen sich aber nicht.

Wir leben in der Dualität, das bedeutet, dass wir auch Aspekte haben, die vielleicht in vergangenen Leben Verbrechen begangen haben, und wir empfinden große Schuld und Scham über diese Taten, so dass wir es einfach nicht ertragen, diese Gefühle wieder zu fühlen. Es gibt auch böse Aspekte. Doch Gut und Böse sind Bewertungen, weil wir versuchen, ungeliebte Teile von uns abzuspalten, weil die Kirchen uns seit 2000 Jahren erzählen, wir dürften so nicht sein. Wir sind es trotzdem! Es kann nicht anders sein, da in der Dualität alles ein Gegenteil hat, erst recht, je mehr wir versuchen, nur eine Seite vom Ganzen zu leben. Es gibt also Aspekte, die sehr, sehr böse geworden sind. Vielleicht am meisten darüber, dass sie uns gedient haben und dafür noch in die Verbannung geschickt wurden?

Wenn ich beginne, mich selber wieder zu lieben und anzunehmen, so wie ich eben bin, ohne alle Bewertung, ohne Urteil, einfach mit liebendem Herzen alles, was ich bin, umarme, dann erlebe ich, dass die Aspekte, die sich irgendwo herumgetrieben haben, jetzt näherkommen und sich in meiner Nähe aufhalten. Ich kann sie und das, was sie erlebt haben, fühlen. Viele von ihnen trauen sich jetzt wieder, sich einfach in mich zu integrieren. Es ist ein sagenhaftes Gefühl, wenn man sich mehr und mehr vollständig fühlt mit all der Weisheit, die diese Anteile mitbringen. Einige aber, die integrieren sich nicht so einfach, sie machen sich bemerkbar auf die eine oder andere Art. Sie wollen, dass man sie wahrnimmt, sie brauchen so etwas wie eine Extraeinladung, damit sie sich trauen, sich wieder zu integrieren. Dieses Bemerkbarmachen kann sich darin äußern, dass man sich bspw. urplötzlich an ein vergangenes Leben erinnert, oder dass man Gedanken im Kopf hat, die eindeutig von einem Aspekt stammen, der einem auch noch Hinweise gibt, wer man gewesen war.

So ist es mir ergangen, als Lisbeth sich integriert hat. Lisbeth tauchte unverhofft als Name auf, den ich in einem anderen Zusammenhang hinschrieb, und bei dem ich mich fragte, wie ich bloß auf „Elisabeth“ komme? Dann, Tage später, sagte ein Gedanke in mir: „Du kannst Lisbeth zu mir sagen!“ Ich begann zu ahnen, dass sich da ein Aspekt aus einem anderen Leben bemerkbar machte. Ich fragte nach, was Lisbeth wohl erlebt hatte, da ertönte in mir langgezogen und mit tiefer Stimme: „Süüüünde… grooooooße Süüüüüüünde!“ Es dauerte noch ein Weilchen, bis mir noch ein wenig mehr Erkenntnis dämmerte. Ich war Lisbeth, eine Nonne vor einigen hundert Jahren. Und ich hatte mich in den Pfarrer verliebt. Nun, man schmiss mich auf die Straße, wo ich dann das Leben einer Hure führte und irgendwann elend am Straßenrand krepierte. Das war letztlich nichts als eine Erfahrung. Aber diese Schuldgefühle, so eine große Sünde begangen zu haben, ließen meinen Aspekt Lisbeth nicht wieder Fuß in der damaligen Gesellschaft fassen. Lisbeth hat sich so viele Jahrhunderte nicht wieder getraut, sich zu der Essenz zu gesellen, aus der sie stammt, weil sie sich geschämt hat für die übergroße Sünde, die sie ihrer Meinung nach begangen hat.

Mit den sogenannten bösen oder dunklen Aspekten geht es ebenso. Sie trauen sich nicht recht, und obwohl sie sich ganz besonders danach sehnen, wieder „nach Hause“ zu kommen, möchten sie doch wissen, ob sie eingeladen sind. Sie machen sich auf die eine oder andere Art bemerkbar.

Und jetzt hatte meine Freundin die Idee, dass es sich bei dem Tourette-Syndrom, das die Wissenschaft, die wenig von Aspekten kennt, für eine Fehlschaltung im Gehirn hält, um sogenannte böse Aspekte eines Menschen handeln könnte, die sich auf eben böse Art bemerkbar machen, indem sie den Menschen gegen seinen Willen hässliche, ungewollte Worte oder Ausrufe ausstoßen lässt oder eigenartige Geräusche. Sie machen sich auch mit unwillkürlichen, raschen, meistens plötzlich einschießenden und mitunter sehr heftigen Bewegungen bemerkbar.

Wenn man jetzt von meiner geschilderten „Aspektologie“ ausgeht, dann ist es sehr gut möglich, dass es sich einfach um Aspekte handelt, die unbedingt wieder integriert werden wollen, weil sie es satt haben, irgendwo einsam herumzuwandern. Sie möchten wieder in das Kollektiv integriert sein, zu Hause sein, dazugehören.