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Ich sitze in der Bahn, mit mir mein kleines rotes Klapprad, das ich neben dem Sitz festhalte. Es kommt ein kleines Männchen herein, wackelt auf den Sitz mir gegenüber. Nach einer Weile des Zurechtrückens und Gepäckverstauens sieht er sich um. Eine Weile betrachtet er mein Rad. Dann fragt er: „Gehört Ihnen das Rad?“ Ich nicke.

„Oh“, sagt er, „ich dachte, das ist ein Kinderrad.“

Ich schlucke, spüre Ärger aufsteigen, kann mich nicht beherrschen und sage: „Denken ist halt Glückssache.“

Er: „Hat ja auch geklappt.“

Interessiert verfolge ich meine aufsteigenden Emotionen. Wieso reagiere ich so stark auf die Begrenztheit anderer Leute? Wieso ist mir das nicht völlig gleichgültig? Er hat mich voll erwischt. Ich liebe mein kleines Rad, finde es so praktisch in der Bahn oder im Auto. Ich brauche nicht mehr so weite Strecken zu laufen, wenn mich die Arthrose plagt, kann sitzend rollen, mein Fußgelenk schonen. Ich finde dieses kleine Ding einfach spitze! Und dann kommt so einer daher …! Mein Verstand versucht, mich zu einer deutlicheren Empörung zu animieren, aber ich lache mir eins. Es ist ein vom Verstand erzeugtes (Pseudo-)Gefühl, weiter nichts.

Dann sagt der Alte: „Entschuldigung…?!?“

Ich reagiere nicht, sehe aus dem Fenster, tue, als hätte ich nichts gehört und warte, kommt noch mehr? Nein, nichts. Was wollte er jetzt bloß?

Dann fällt es mir ein, das alte Männchen wollte nur mal sehen, ob und inwieweit er mich getroffen hat. Egal, ob ich reagiere, oder ob ich es nicht tue , er weiß jetzt, dass es gewirkt hat. Meine mir abgezapfte Energie fließt ihm zu. Er freut sich, ihm geht es jetzt gut, denn er ist ein Meisterdieb. Er hat mich beklaut. Ich merke, diese Geschichte hält vor. Ich wehre mich zwar dagegen, aber das Massenbewusstsein hält mich gepackt. Wider besseren Wissens kreisen meine Gedanken um diesen Energiediebstahl, was ihn dadurch erst perfekt macht. Aber ehrlich, es ist schwer, einfach nur in der Bahn zu sitzen und NICHT an den alten Giftzwerg zu denken.

Ich habe schon vor Jahren alle Energieklauer aus meinem Leben expediert, doch gegen solche Gelegenheitsdiebe ist kein Kraut gewachsen, die muss man einfach an sich ablaufen lassen. Es ist eine gute Gelegenheit zu sehen, inwieweit man das Thema bereits „erledigt“ hat. Ich brauche offenbar noch ein paar Gelegenheiten zum Üben…


Adamus – It Comes to You, A Merabh of Receiving and What is Grace?