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Der Lehrer einer höheren Bildungsanstalt vermittelte allen Ernstes seinen erwachsenen Schülern, dass die Gleichberechtigung in der damaligen DDR bereits Realität gewesen wäre. Wenn jede Frau einen Job hat, also einen gesellschaftlich anerkannten Lohn in Form von Geld nach Hause bringt, dann ist die Gleichberechtigung erreicht … so sagte er.

Es ist das Weltbild eines unreflektierten Mannes, der Gleichberechtigung auf Lohnarbeit (also Sklavenarbeit) reduziert. Was aber bedeutet Gleichberechtigung eigentlich?

Es kann keine „Gleichberechtigung der Frau“ geben, denn mit wem will man sie gleich berechtigen, also ihre Rechte vergleichen? Solange zwei im Ungleichgewicht sind, kann man nicht einen dem anderen angleichen, man muss beide aus ihrer „verrutschten Position“ verrücken, um beide auf dieselbe Ebene zu bringen. Beide müssen Wertschätzung, Respekt und Toleranz für sich selber und für den anderen aufbringen und begreifen, dass nur beide Geschlechter zusammen ein Ganzes ergeben. Man kann nicht die eine Hälfte abwerten und erniedrigen und dann meinen, die andere Hälfte sei das Größte auf dieser Welt. Vor allem dann nicht, wenn man erkannt hat, dass man beides in sich hat, also selber sowohl männlich als auch weiblich ist.

Wenn wir mal den Blick zurück werfen …  

… die in der Kirchenhierarchie ranghöheren MÄNNER zu Beginn des Christentums werteten sich selber auf, indem sie die Weiblichkeit abwerteten. Jesus, Jeshua, wie er wirklich hieß, wurde in der Sekte der Essener geboren. Die Essener waren spirituell auf der Suche. Sie empfanden es als Ablenkung, wenn triebgesteuerte Mitglieder sich dem anderen Geschlecht zuwandten, folglich gab es keine Ehe in ihren Reihen. Ehe wurde nicht angestrebt, aber auch nicht verboten. Wer sich halt hingezogen fühlte zu einem anderen, konnte dies tun, es wurde geduldet. Und so waren auch Maria und Josef nicht verheiratet.

Jeshua fühlte sich durchaus zum anderen Geschlecht hingezogen. Er wusste, dass Sexualität zu einer reifen, einer „ausgereiften“ Lebensform dazu gehört. Die sexuelle Verbindung ist etwas Heiliges, vor allem, wenn man als Meister tiefer in die spirituellen Geheimnisse eingeweiht wird. Er lebte in einer Verbindung mit Maria Magdalena.

Seine Mutter war den Klerikern zufolge also eine Heilige, vom lieben Gott „beschattet“, doch seine Gefährtin wurde als Hure verpönt.

Der Ursprung des Ungleichgewichts zwischen den Geschlechtern ist wesentlich älter. Das ist aber eigentlich uninteressant, weil es gilt, dieses JETZT ins Gleichgewicht zu bringen.

Ich nannte bereits Respekt, Wertschätzung … man kann nur schätzen, was man kennt. Respekt ist eine Form der Wertschätzung, der Aufmerksamkeit und Ehrerbietung, doch auch nur möglich, wenn man sich selber und sein Gegenüber kennt. Vor allen Dingen ist zu beachten, dass man niemandem so etwas entgegenbringen kann, wenn man dieses Verhalten nicht auch für sich selber aufbringt. Das erfordert die Fähigkeit zur Selbstreflektion. Wer das nicht schafft, kann ein respektvolles Verhalten allenfalls nachahmen. Das bricht aber sofort zusammen, sobald die Aufmerksamkeit von etwas anderem beansprucht wird.

Gleichberechtigung im üblichen Sinn ist also etwas, was bei einem reifen Menschen keine Rolle spielt, vom Unreifen aber erkämpft bzw. verweigert wird. Das Bewusstsein und die Selbsterkenntnis sind bei einem unreifen Menschen noch nicht vorhanden.

Und somit ist Gleichberechtigung letztlich ein Ding der Unmöglichkeit, denn in dem Moment, in dem sie eintritt, verwandelt sich der Begriff in gelebte Erkenntnis, Selbstwertgefühl, Respekt, Bewusstsein, Anerkennung und bedingungslose Liebe. Dabei hat das Gerangel um Berechtigung welcher Art auch immer gar keinen Platz mehr, denn sie – die Berechtigung – ist die logische Folge der Erkenntnis.

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